Freitag, 11. Juli 2014

Rugby in Australien – die Analyse eines Anfängers

Australien liebt seinen Sport. Während im heißen Sommer eher Cricket geschaut wird, sind die Wintermonate ganz klar von Rugby dominiert. Ich interessiere mich ebenfalls sehr für Sport und liebe es ins Stadion zu gehen. Da ist es nur ganz normal, dass ich mich auch mit diesem Volkssport anfreunden wollte. Kann ja nicht so schwer sein, wenn man hier an der Quelle sitzt. Dachte ich. Leider war mir da nicht bewusst, dass Rugby hier wahrlich nicht gleich Rugby ist… Aber nun mal von vorne.


In Australien gibt es drei verschiedene Arten von Rugby oder auch Football. Je nach Region sind die Leute mal mehr verrückt nach der einen oder der anderen. 

Australian Football:

Offiziell: Fangen wir mal mit Australian Football an. Zwei Mannschaften auf den Feld, jeweils 18 Spieler, ein für Rugby typischer elliptischer Ball, ovales Feld und vier Torpfosten an jedem der beiden Enden. Australien Football ist auch als Aussie Football oder Football nach australischen Regeln bekannt und ist vor allem in den Staaten Victoria, South Australia und Western Australia die beliebteste Volkssportart. Sinn des Spieles ist es, den Ball durch die Torpfosten zu schießen. 20 Minuten pro Viertel Spielzeit. Beheimatet ist der Sport in der AFL (Australian Football League). Das ist sowohl der Name des Veranstalters als auch der Name der Liga.

Das Feld, Foto von Wikipedia
Meine Sichtweise: Für mich ist dieser Sport völlig wirr. Und ich muss zugeben, so viel Erfahrung habe ich hier auch nicht. Es scheint irgendwie eine Kombination zwischen Fussball und Rugby zu sein. Die Typen auf dem Feld sind nicht so muskulös, wie bei den anderen Rugby Arten, da sie die ganze Zeit hin und her wetzen. Es darf aber auch hier geschupst, gerangelt und getackelt werden. Der Ball darf geschossen und per Hand weitergegeben oder geschlagen werden. Werfen ist dagegen strikt verboten. Da fängt meine Verwirrung schon an. Ich sehe da nicht wirklich die Unterschiede. Im Gegensatz zu anderen Football Arten kommt es hier nicht zur Häufchenbildung. Das Spiel ist wahnsinnig schnell und alle rennen, in sehr kurzen Shorts und ärmellosen Oberteilen mit gewöhnungsbedürftigen Mustern wild durcheinander. Für die Fans, natürlich das einzig wahre wirkliche Rugby.
Foto von: http://nyfooty.com/site/

Rugby Union:

Offiziell: Fünf australische Mannschaften spielen gegen neuseeländische und afrikanische Teams. Zwei Mannschaften, je 15 Spieler, ein elliptischer Ball und ein rechteckiges Feld. Spielzeit zwei Mal 40 Minuten. Verbreitet über der ganzen Welt. Gepunktet werden, kann auf zwei Arten: Den Ball jeweils am Ende in das dafür vorgesehene Feld tragen oder durch die beiden Torstangen schießen. Durch Tackling kämpfen die Spieler um den Ballbesitz.
Meine Sichtweise: Für mich ist ein Merkmal von Rugby Union die ständige Häufchenbildung. Mehr als in allen anderen Rugby Spielen tackeln, raufen und wälzen sich die Spieler hier übereinander. Die Regeln erlauben, dass nach jeder Attacke um den Ball gekämpft werden darf und das tun die Spieler auch. Muskelbepackte Männer in kurzen Höschen ziehen sich an den Trickos und rammen ihre Körper gegeneinander. Mir versicherte mir, dass hier auch Regeln greifen, aber die kann ich beim besten Willen nicht sehen. Für mich ist es ein wirres Gerangel, bei dem am Ende irgendeine Mannschaft den Ball bekommt, ihren Spielzug startet und dann geht das Gewusel von vorne los.
Häufchenbildung beim Tackling, Quelle: Understand Rugby

Rugby League:

Offiziell: Die Regeln ähneln sehr denen von Rugby Union. Allerdings besteht eine Mannschaft aus 13 Spieler und das Spielfeld ist ein wenig kleiner, was mehr Kontakt zwischen den Spielern erzwingt. Außerdem wird der Ball nach einem Tackle nicht umkämpft, sondern die besitzende Mannschaft erhält ihn zurück, für insgesamt 6 Tacklings. Rugby League ist am populärsten in Australien, breitet sich aber immer mehr aus. Besonders in New South Wales und Queensland ist eine wahrer Kult um Rugby League zu finden. Seit 1980 spielen die besten Spieler aus NSW und Queensland hier jährlich die State of Origin Series, eine der wohl härtesten Wettbewerbe in Rugby League.
 
Beginn State of Origin 2014
Meine Sichtweise: Mein Favorit! Durch das 6-Tackle System hat das Spiel für mich eine klare Ordnung. Klar, es handelt sich auch in diesem Spiel um sehr maskulin auftretende, muskulöse Männer, die sich gegenseitig zu Boden reißen und dabei menschliche Pyramiden bauen, aber irgendwie ist es einfacher zu verfolgen. Jede Mannschaft hat 6 Versuche um den Ball weiter an das gegnerische Malfeld zu tragen und damit zu Punkten. Schafft sie es nicht in der Zeit, bekommt die andere Mannschaft den Ball. Ein klares, sichtbares System, dass sogar ich als Anfänger gut erkennen kann, was will man mehr. Allerdings sollte man als Fan dieses Spiel nicht zimperlich sein. Die Tacklings sind nicht von schlechten Eltern und so manch ein Fussballer sollte sich in Sachen schmerzempfinden da nochmal ein Beispiel nehmen. Allerdings ist es mir ein Rätsel, wieso jemand – lediglich mit einem Ball bewaffnet - grölend in eine menschliche Mauer aus purer Muskelkraft reinrennt, nur um ein paar Sekunden später schmerzlich flachgelegt zu werden und vielleicht ein paar Meter gut gemacht zu haben. Ach ja und das bis zu sechs Mal pro Angriff.
Ich möchte mich aber auch nicht beschweren. Viele der Spieler sehen wirklich gut aus, sind wahnsinnig trainiert, meistens tätowiert, schweißnass und tragen enge Oberteile und kurze Shorts. Am Ende bin ich dann doch nur ein Mädchen, dass sich ein wenig amüsieren möchte…

Montag, 30. Juni 2014

Busfahren, eine Wissenschaft für sich

Gerade in den großen Städten Australiens ist es ein Horror mit dem Auto unterwegs zu sein. Gar nicht unbedingt das Auto von A nach B zu bewegen, das ist mal abgesehen von dem Verkehrsaufkommen sogar recht einfach. Das heißt, wenn man nicht ausversehen auf eine der „Toll-Roads“ gerät, deren Benutzung man bezahlen muss, oder sich plötzlich in einem Tunnel wiederfindet, der einen 6 Kilometer weit am anderen Ende der Stadt erst wieder ausspuckt… Aber nun ja, kann ja mal passieren, besonders mir, da ich den Orientierungssinn eines Toastbrotes besitze.
 
Normalerweise fahre ich in großen Städten mit den angebotenen öffentlichen Verkehrsmitteln, was sich dann in den meisten Städten ziemlich genau auf Bus, Bahn und Fähre beschränkt. Gerade wenn man auf den Weg in die Randgebiete der Stadt ist, dann ist die einzige wirkliche Alternative der Bus. Das hört sich nun recht einfach an, aber ich sage euch: Busfahren in Australien ist eine echte Wissenschaft für sich.

Bus Stop:

Es geht los mit den Bushaltestellen. Die sind durch ein Schild gekennzeichnet und gut zu erkennen, manchmal wird auch ein kleiner Unterstand geboten. Nun heißt es nur noch, die Richtige zu finden. Jeder Bus hat nämlich seine eigene kleine Bushaltestelle, wo er abfährt. Erkennbar nur auf kleinen Schildern, an die man bis auf einen Meter ran gehen muss, um was lesen zu können. Auf diesen Schildern befinden sich zudem die Abfahrzeiten des spezifischen Busses. Dazu nur ein Tipp: GLAUBT KEIN WORT DAVON!!! Australien hält sich einfach partout nicht an Zeitangaben. Der Bus kommt, wenn er kommt. Und wenn er nicht kommt, dann wartet man halt länger. Ihr könnt euch vorstellen, wie geschockt und verwirrt ich am Anfang davon war, vor allem wir Deutschen sind ja sehr genau mit diesen Zeitangaben. 

Einsteigen:

Dann kommen wir zum nächsten Problem. Busse stoppen in Australien nicht automatisch. Könnt ja jeder kommen. Erst wenn man sich sichtbar und vor allem rechtzeitig an der Bushaltestelle aufbaut, den Busfahrer in die Augen starrt und winkend auf sich aufmerksam macht, dann kann man Glück haben, dass er auch abbremst.

Bezahlen:

Auch das bezahlen ist recht eigensinnig in Australien. Es gibt kleine Chipkarten, die man gegen 10 Dollar Pfand erhält und aufladen kann, dass spart einem Geld und Nerven im Vergleich zum Bar bezahlen. Besonders den „Nerven“ Punkt sollte man hier nicht unterschätzen. Mit der kleinen Karte, hier in Brisbane „Go Card“ genannt, hüpft man in den Bus und scannt sie zu Beginn der Fahrt einfach ein und dann abschließen noch einmal, wenn man aussteigen möchte. Geld wird abgebucht und fertig!
Go Card Brisbane
Falls man diese Karte allerdings gerade nicht parat hat oder auch kein Geld drauf hat, dann muss man hoffen, dass man ein Ticket kaufen kann. Das ist nicht immer möglich, manche Linien laufen nur auf Go Card. Hat man einen Bus gefunden, der auch Bargeld annimmt, heißt das noch lange nicht, dass man ein Ticket kaufen kann. Der Busfahrer hat nämlich meistens keine Ahnung wo sich die gewünschte Haltestelle befindet und welchen Tarif für welche Zone er berechnen muss. Oder er hat kein Wechselgeld parat… Ich habe sehr schnell gelernt immer eine aufgeladene Go Card dabei zu haben.

Die Fahrt:

Die eigentliche Fahrt ist recht abenteuerreich. Busfahrer haben irgendwie eine andere Einstellung zu Entfernungen und Geschwindigkeiten als ich. So kommt es nicht selten vor, dass mich abruptes Abbremsen von links nach rechts schleudert (Anschnallgurte gibt es nicht). Zudem nehme ich immer einen Schal mit in den Bus oder auch einen Pullover, denn die Klimaanlagen sind auf gefüllte -10 Grad eingestellt. So wird einem während der ganzen Fahrt unkontrollierte Polarwinde ins Gesicht geblasen. Wunderschön um einen steifen Nacken zu bekommen. Trinken und Essen ist übrigens verboten und wird mit Geldstrafen bestraft. Das wiederrum finde ich gar nicht so schlecht, so muss man sich wenigstens keine Sitzbank mit einem nach Fett riechenden Take-Away-Essen teilen.

Aussteigen:

Um aussteigen zu wollen, sollte man am Zielort angekommen sein. Klingt einfach, ist es aber nicht. Denn weder im Bus, noch an den Haltestellen findet man eine Information, welche Haltestellen der Bus nun eigentlich anfährt. Das bedeutet, man sollte vorher im Internet kontrollieren, welche Linie einen nun wirklich ans Ziel bringt. Dann muss man während der Fahrt angestrengt aus dem Fenster starren, um seine Haltestelle früh genug zu entdecken. Und ich meine hier FRÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜÜH genug. Denn die Busse halten nur an, wenn man rechtzeitig den beliebten „Stop:Button“ drückt. So bin ich schon des Öfteren an meiner Haltestelle vorbeigerauscht und durfte von der nächsten zu Fuß latschen. Im Bus wird nämlich auch nicht angesagt welche die nächste Station ist, noch gibt es eine Anzeige dafür. Ein weiterer Schwierigkeitsgrad kommt hinzu, da die Scheiben des Busses alle getönt sind. Ich setze mich immer so, dass ich aus der Windschutzscheibe (einzig nicht getönte Scheibe) rausgucken kann, damit habe ich die beste Wahrscheinlichkeit gefunden, meine Haltestelle rechtzeitig zu sehen. Wenn man seinen Weg kennt, dann ist alles natürlich nicht so dramatisch, aber leider trifft das für mich in den wenigstens Fällen zu. Ich helfe mir oftmals damit, dass ich mein Smartphone Navigationssystem mitlaufen lasse, so weiß ich wenigstens, wo ich bin und wann ich meinem Ziel näher komme.

Am Ende:

Hat man es geschafft rechtzeitig den Stop.Knopf zu drücken und seine Go Card gescannt, dann darf man bloß nicht vergessen, sich beim Busfahrer lauthals zu bedanken. Das machen hier alle und ist sehr wichtig, vergisst du es, wirst du mit einem Todesblick bestraft, den keiner gut verkraften kann.
Busfahren ist Australien ist also ein wenig anders. Wunderbar verwirrend und irgendwie ein wenig seltsam, aber wenn man alles mit einbezieht, dann ist es die günstigste Alternative um von A nach B zu kommen. Und irgendwie ist es ja auch lustig.
Und wenn ich mich mal wieder aufrege, dann summe ich einfach folgendes: 

Dienstag, 24. Juni 2014

Wasserfälle und Regenwald

Ich bin wieder zurück in Queensland und genieße die wärmeren Temperaturen hier aus vollem Herzen. Das Reisefieber hat mich wieder ein wenig gepackt, darum haben wir uns gestern aufgemacht, auch hier noch Neues zu erkunden. Und ich bin fündig geworden.

Knapp 100 km im Hinterland der Gold Coast befindet sich der Springbrook National Park.
Hinterland mit Blick auf den Ocean, ca. 1km über dem Meeresspiegel
Der National Park ist Teil des UNESCO-Welterbes und ich wusste schon beim ersten Betreten warum. Es ist wunderschön. Tropischer Regenwald, durchflochten mit Flüssen, Wasserfällen und mitten in den Bergen. Eine atemberaubende Kombination.
Aber seht selber:
Willkommen beim...
Farbenspiel des Wassers.
Die Natural Bridge: Ein natürlich Felsbogen, geformt von einem Wasserfall, der sich einen Durchbruch in die Höhle schuf.
Zeitlos und wunderschön
Die Höhle liegt mittem im Regenwald
Der Wasserfall der den Durchgang formte
Der Regenwald ist hier zwischenzeitlich so dicht, dass er alle Geräusche zu verschlucken scheint. Man hört nichts außer seinen eigenen Atem. 
Moosbewachsene Bäume und unzählige Pflanzen
Ein wenig unheimlich, nicht mal die Vögel wagen es zu zwitschern. Trotzdem ist es eine Erfahrung, die ich nicht missen möchte. Die Bäume sind mit Moos bewachsen, Lianen und natürliche Girlanden hängen überall. Unzählige Pflanzen wachsen in, an und um die zahllosen Baumarten herum. Alles erscheint tiefgrün. Und dann das Spiel der Sonne zwischen den Ästen. Außerdem ist es eiskalt hier.
Muster der Natur
Uralte Kunstwerke
 Die Bäume wachsen hier ungestört seit Jahrhunderten und bilden die schönsten Muster.

Große Weiten
Nur vereinzelt Touristen
Blackfellow Falls
Geht ziemlich tief runter...
Wir hatten das Glück an einem sehr sonnigen Tag gekommen zu sein. Leider waren aufgrund von Unwettern und Wiederinstandsetzungsmaßnahmen ein paar der Wandertracks gesperrt. Macht aber nichts, ich war nach all dem Herumgelaufe sowieso schon unglaublich platt. Der Park war auch so einfach wunderschön. Wahnsinn. Und nur zu empfehlen.  
Noch viel zu erkunden!